Samstag, 13. August 2016

unsere Reiseeindrücke

Dieser Blog (WebLog, Internet-Tagebuch) ist das Fotoalbum unserer Reise mit dem Viol-VIP-Bus im Juli 2016. Es gibt darin einen Haufen Informationen und unsere Eindrücke in Bildern und Texten; es ist, was die Bilder und Texte angeht, keine Dokumentation im Sinne von "wir waren da". Und es gibt auch einige unserer Empfindungen wieder, die wir unterwegs und an verschiedenen Stationen hatten - subjektiv, das Ganze...

Alle Bilder sind so, wie sie hier auftauchen, bereits bei der Aufnahme entstanden. Ich habe daheim am PC außer Zuschneiden nichts verändert oder "verbessert".


Manche Bilder sind in "Originalgröße", dann passen sie nicht in den Rahmen - aber es gibt einen Scroll-Balken unten am Bildschirm, so dass man das Ganze verschieben und zentrieren kann. Die Bilder können (wenn jemand mag) auch heruntergeladen und wie auch immer weiterverwendet werden.


Viel Spaß!





Samstag, 09.07.
Richtung Norden.


Bayreuth. Kiel. Fähre. Kattegat.


Sehr früh starten wir nach Bayreuth, pünktlich geht es von dort aus los in einem weißen VIP-Bus, der von Alexander Viol (Sohn) gesteuert wird, am Steuer öfters unterstützt von Waldemar Viol (Vater), der auch für das Catering während er Fahrt verantwortlich zeichnete.

Langwierige Fahrt nach Kiel (fast 10 Stunden), dort auf die Stena Germanica. Die Germanica ist das erste Fährschiff der Welt, das mit Methanol-Antrieb ausgerüstet wurde (deshalb die Bezeichnung "Super Green"). Aber wo kommt das Methanol her? Aha, das stellt man heute noch vorwiegend aus fossilen Rohstoffen her - also doch nicht so supergrün...

Viele Leute auf dem Schiff, sehr viele sogar. Im Vergleich zu unseren früheren Hurtigruten-Erfahrungen ein großes Schiff, tatsächlich aber soll die Rückfahrt mit der Color Line von Oslo aus mit einem doppelt so großen Kahn erfolgen. Sehr gutes Abendbuffet, ruhige Fahrt durchs Kattegat, gute Nacht allerseits. 

Damit gleich klar ist, dass dies kein "hier waren wir"-Fotoalbum ist:(fast) alle haben das gesehen, (fast) niemandem ist es so bewusst geworden... (glaube ich zumindest)


hier fahren wir ab...
...und hier werden wir ankommen.

Ausfahrt durch die Kieler Förde: Segelbootgewirr in einem Sportboothafen.

Marine-Ehrenmal Laboe.

Ich bin noch die Auflösung für das erste Foto schuldig: das ist die Spiegelung unseres Schiffes (noch im Hafen) in der Fensterfront eines gegenüber liegenden Gebäudes. 



Sonntag, 10.07.
Göteborg. Richtung Dombås.


Fähre. Göteborg. Svinesundbrücke (Grenze Schweden-Norwegen). Mjøsa-See. Lillehammer. Gudbrandsdalen. Dombås






Göteborg empfängt uns mit Nieselregen, das Wetter wird aber im Lauf des Tages immer besser.



erste Aktivität in Göteborg: Warten auf den Bus.


























Autobahn Richtung Oslo, und ein richtiger Grenzübergang zwischen Schweden und Norwegen! Es gibt zwar keine Kontrollen, aber es könnte sie geben, die Infrastruktur ist da. Statt dessen als eine der ersten Aktivitäten Geldwechsel in NOK. Bei mittlerweile heiterem Wetter.



alte und neue Svinesundbrücke (wir sind über die neue gefahren). Ja, zugegeben, das ist ein abfotografiertes Bild... aber wie sonst sollte ich die Brücke abbilden?



Längliche Weiterfahrt, durchaus anstrengend. Am Ende der beiden Tage werden wir über 1300 km mit dem Bus gefahren sein.

Um die Zeit zu nutzen hier einige Informationen zu Norwegen:
  • Der Index für menschliche Entwicklung (HDI) der UN stuft Norwegen seit vielen Jahren als das weltweit am weitesten entwickelte Land ein. Darüber hinaus ist es laut dem Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist der demokratischste Staat der Welt. Auf dem Pressefreiheitsindex 2013 von Reporter ohne Grenzen kam Norwegen nach Finnland und den Niederlanden auf Platz 3 von 139 Ländern.
  • Das Bibliothekswesen Norwegens wird von der bibliothekarischen Fachwelt als vorbildlich angesehen. Das seit 1834 bestehende Bibliotheksgesetz schreibt den kostenlosen Zugang zu Bibliotheken vor.
  • Die etwa 25.000 km lange Atlantikküste (mit den Küsten aller Inseln über 80.000 km) besteht aus vielen schmalen und tiefen Buchten, den Fjorden, mit denen das salzige Meer vielerorts weit ins Land reicht. Ohne sie wäre die Atlantikgrenze 2650 km lang.
  • Norwegen hat als erstes Land 2003 eine Geschlechterquote eingeführt. Seit 2008 ist eine Quote von mindestens 40 % Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben.
  • Nahezu der gesamte Strombedarf (etwa 98 %) in Norwegen wird durch heimische Wasserkraftwerke gedeckt. Im gesamten Land existieren weder Kern- noch Kohlekraftwerke. Das von Norwegen geförderte Erdöl und Erdgas wird nicht für die Stromversorgung im eigenen Land eingesetzt.
  • Norwegen betreibt eine überaus restriktive Alkoholpolitik. Das Trinken in der Öffentlichkeit ist verboten, um Alkohol zu konsumieren, muss man sich auf einem Privatgrundstück befinden. Mit rund € 0,40 für ein gewöhnliches 0,2 l-Glas erhebt Norwegen die europaweit höchste Biersteuer (Deutschland: € 0,019).
  • Norwegen gilt als Pionier der Frauenrechte. So wurde die Norwegische Frauenrechtsvereinigung bereits 1884 von vielen der prominentesten Persönlichkeiten der Zeit gegründet.
  • Norwegen war eines der ersten Länder der Welt, das die Diskriminierung von Homosexuellen durch Gesetz (1981) verbot. 1993 erhielten lesbische und homosexuelle Paare die gleichen Rechte wie Verheiratete und 2008 schließlich das Recht der kirchlichen Heirat und der Adoption. 
  • Magnus Carlsen ist seit 2013 Weltmeister im Schachsport; seit Juli 2011 führt er ununterbrochen die Weltrangliste an.

Weiter im Bus: der größte See Norwegens ist der Mjøsa, an dessen Ufer wir lange entlang fahren. Fläche 365 km², Länge 117 km, Tiefe 449 m - damit liegt der Seeboden 330 m unter Meereshöhe.

Lillehammer wurde durch die Ausrichtung der XVII. Olympischen Winterspiele 1994 weltweit bekannt. Später fanden dort weitere bedeutende Sportveranstaltungen statt, u.a. die Handball-Europameisterschaft 2008 oder die Olympischen Jugend-Winterspiele 2016.




 Lysgårds-Schanze in Lillehammer.

eine (fast) naturbelassene Raststätte.




Der nördlich von Dombås gelegenen Hochgebirgspark Dovrefjell mit dem 2286 Meter hohen Berg Snøhetta ist eine der wenigen Regionen Europas, in der es noch freilebende Moschusochsen gibt.

Übernachtung im Dombås Hotel in - ja, in Dombås auf fast 700 m Meereshöhe. Vorher EM-Endspiel mit norwegischem Kommentar - ich kann keine Verschlechterung gegenüber dem deutschen Kommentar erkennen, obwohl ich kein Wort verstehe. Ach ja,  Portugal schlägt Frankreich überraschend mit 1:0 und ist damit Europameister.


Montag, 11.07.
Trollstigen. Geiranger. Olden.


Romsdalen. Trollstigen. Norddalsfjorden. Eidsdal. Eidsdalsvatnet. Ørnevegen. Geiranger. Geirangerfjorden. Hellesylt. Hornindalsvatnet. Olden.



Regen! Und kein Obst am Frühstücksbuffet! Aber die vor uns liegende Etappe ist überschaubar und endlich nicht mehr nur "Transport", sondern was zum Schauen. Wenn man was sähe...

Durch das Romsdalen Richtung  Åndalsnes. Auf dem Weg zur Trollstigen fahren wir um den Berg Trolltindan, der mit der höchsten senkrechten Felswand Europas namens Trollveggen beeindruckt. Wenn man was sähe... Deshalb hier nur eine verbale Beschreibung: diese Trollveggen ragt ca. 1700 m über die Talsohle; der lotrechte Teil der Wand ist bis zu 1000 m hoch und hängt bis zu 50 m über.

Der Trollstigen ist sehr berühmt, und das mit Recht. Allerdings: Wolkenuntergrenze 600 m, oberer Teil der Straße über 700 m. Schade. Von unten nach oben ist lediglich eine Brücke, über die wir zu fahren gedenken, schemenhaft sichtbar.


Das kommt davon, wenn die Brücke aus den gleichen Steinen besteht wie die Umgebung! Immerhin: der Stigfossen.


Von der Brücke aus nach unten sieht man deutlich, was wir schon geschafft haben (danke an Alex, der das völlig unspektakulär bewältigt).

Der Trollstigen führt vom Isterdal in elf Haarnadelkurven mit etwa 12% Steigung hinauf zur Passhöhe. Dabei überwindet er eine Höhendifferenz von 405 m und erreicht 700 m Meereshöhe. Im weiteren Verlauf erreicht die Straße eine Höhe von 850 m. Auf halber Strecke führt die Straße über den 320 m hohen Wasserfall Stigfossen. Die Straße wurde am 31. Juli 1936 nach achtjähriger Bauzeit von König Haakon VII. für den Verkehr freigegeben. Sie ist auch heute noch nur wenige Meter breit, manchmal fast einspurig, so dass man entgegenkommenden Fahrzeugen ausweichen muss. Wegen des schroffen Geländes gibt es kaum Möglichkeiten anzuhalten. Erst oben am Beginn eines Hochtales gibt es einen großen Parkplatz und ein Touristenzentrum mit Wegen zu schönen Ausblicken. Wenn man etwas sähe...





Oben ein tolles Touristenzentrum mit Aussichtspunkten, die aber alle in den Wolken enden.






















1000 Stoamandl stehen in der Gegend rum, die haben wohl durch schlechte Sicht gelangweilte Besucher aufgeschichtet. Obwohl: nach längerer Betrachtung habe ich sie eindeutig als Trolle identifiziert und fotografiere entsprechend. 












Weiter durch diverse Hochtäler mit teilweise spektakulären Ausblicken und, je tiefer wir kommen, unglaublich vielen Erdbeeren. Nächster Halt: Linge. Das muss man nicht kennen, außer dass es da die notwendige Fähre über den Norddalsfjord nach Eidsdal gibt.
























Etwas später, am Eidsvatnet (See) wird das Wetter kurzfristig so viel besser, dass wir eine kurze Rast mit Bus-Wienerle (schon was gelernt: norwegisch heißen die Wienerpølse) und einer Flasch Flens einlegen.






Dann über den Ørnevegen (Adlerstraße) runter nach Geiranger; die Straße ist rund 8 km lang und hat eine Steigung bzw. ein Gefälle von bis zu 10 % - sie ist die einzige ganzjährig befahrbare Straße dorthin.

Das "Unangenehme" zuerst: am Fjord-Ende hängt eine blaugraue Abgaswolke in der Luft. Die großen Kreuzfahrtschiffe bekommen keinen "Landstrom" und lassen deshalb ihre Diesel für die Generatoren laufen, auch wenn sie nicht fahren...

...und, wer hätte das gedacht: wir sind nicht die einzigen Touristen!


Ørnevegen von Geiranger aus: von ganz da oben sind wir runtergekommen!


Jetzt ein GROSSES Bild zum Scrollen:


Und jetzt natürlich: der Blick von da oben! Weltnaturerbe! Mit Recht!
Mit der Fähre geht es los Richtung Hellesylt - aber vorher kommen die Highlights!


Auf Höhe 0 Richtung "Sieben Schwestern" (sieht jemand den Bauernhof auf der eigentlich unzugänglichen Wiese?)

Tatsächlich - ein Bauernhof!

An den steilen Abhängen des Fjords sind noch einige Bauernhöfe, teils in schwindelerregender Höhe, zu sehen; sie wurden meist an vor Schnee- und Steinlawinen sicheren Orten erbaut und waren früher teilweise nur über Leitern zugänglichDennoch lohnte sich die Landwirtschaft damals in dieser Gegend, da durch das milde Klima mit (im Sommer) fast 24 Stunden Sonneneinstrahlung am Fjord sogar südländische Früchte, wie Aprikosen, geerntet werden konnten. Heute sind sie verlassen, wurden aber durch die Organisation „Freunde des Storfjords“ restauriert und erhalten und zählen zu den wichtigsten kulturhistorischen Stätten der Region. 



hier nochmals alles, was wichtig ist: der Geirangerfjord, die Sieben Schwestern, der Bauernhof und eine Möve 

Der Hof Knivsflå liegt auf der Nordseite des Geirangerfjords in ca. 250 m Meereshöhe beim Wasserfall „Die sieben Schwestern“. Er wurde im Jahre 1896 aufgegeben, da es in der Nähe einen gefährlichen Felsüberhang gibt, von dem man damals annahm, dass er bald abrutsche. Bis in die 1960er Jahre hat man den Hof als Wiesenland bewirtschaftet, das Heu getrocknet und mit Drahtseilwinden zum Fjord herabgelassen. Dort wurde es auf Ruderboote verladen und nach Geiranger gebracht.

Achtung, jetzt wieder ein GROSSES Bild:



so sehen sie also aus, die Sieben Schwestern.


schön!
auch schön! ...und nicht die Sieben Schwestern!

und wieder schön!

trotz schönster Gegend müssen die Organisatoren organisieren

auch hier: verlassene Bauernhöfe. Gefunden?

Gefunden? Gleich rechts neben der Flagge, wo der Bach runterkommt: Syltavika; und dann fast senkrecht darüber, da, wo der Steilhang etwas flacher wird: Blomberg. Dieser Hof in ca. 450 m Meereshöhe wurde 1947 verlassen. Er wurde innerhalb von fünf Jahren für ca. 2,6 Millionen NOK restauriert und befindet sich heute in einem guten Zustand. Man kann den Hof über einen Weg, der in 28 Serpentinen am steilen Hang hinaufführt, vom Fjord aus erklimmen. Unglaublich! 

So, genug der verlassenen Höfe. Wir kommen in Hellesylt an, wo es auch was zu fotografieren gibt.






Nämlich den Hellsyltfossen.




Und weiter in Richtung unseres Tagesziels, Olden am Nordfjord. Unterwegs durch weiterhin sehenswerte Landschaft, vorbei am Hornindalsvatnet. Dieser See mit seiner maximalen Tiefe von 514 m ist Europas tiefster. Der Seespiegel befindet sich 53 Meter über dem Meeresspiegel, so dass die tiefste Stelle 461 m unter dem Meeresspiegel liegt.

Und schließlich Ankunft im Olden Fjordhotel. Überraschung: fast englischer Charme empfängt uns mit Bibliothek und Ledersesseln, alles sehr gediegen. Und eine Aussicht auf den Nordfjord vom Zimmer aus - unschlagbar.








Dienstag, 12.07.
Kaupanger. Nærøyfjorden. Bergen

Skei. Kjøsnesfjorden. KaupangerNærøyfjordenGudvangen. Bergen.




Lauter Superlative heute: der längste Fjord (Sognefjord, 204 km), der tiefste Fjord (auch Sognefjord, über 1300 m), UNESCO-Weltnaturerbe (Nærøyfjord, eine der unzähligen Verzweigungen des Sognefjords, und zugleich der schmalste Fjord Europas).

Von Olden aus geht es auf teilweise engen Original-Straßen und -Tunnel durchs Hochgebirge, das ist manchmal über 2000 m hoch. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Etliche Gletscher, die noch in Betrieb sind (z.B Jostedalsbreen, der größte Gletscher auf dem europäischen Festland, mit vielen Seiten-Breens). In der Gegend gibt es viele Wasserkraftwerke, hier wird 40% das Stroms für Oslo erzeugt.  Aber zuerst fahren wir am Kjøsnesfjorden entlang, der uns mit nahezu perfekten Spiegelungen erfreut.










In Kaupanger gibt es eine Stabkirche (auch ohne Führung), aber auch die Fähre nach Gudvangen.



der Friedhof zur Stabkirche in Kaupanger




Wir fahren ohne Bus auf der denkmalgeschützten Fähre M/F Skånevik (Baujahr 1967) durch eine echte Weltnaturerbelandschaft. Und der Bus verfolgt uns durch den längsten Straßentunnel der Welt (Lærdalstunnel, 24,5 km, Baujahr 2000).



unsere Fähr-Strecke


Alles wird immer enger, vom Sognefjord in den Aurlandsfjord und zuletzt in den Nærøyfjord. Der Fjord ist geprägt durch die bis zu 1760 Meter hohen, steilen Felswände, die ihn auf beiden Seiten einrahmen. An der engsten Stelle ist der Fjord nur 250 Meter breit. Und er ist nass, nicht nur von unten...



Das Wetter pendelt im 5-Minuten-Rhythmus zwischen schön und Wolkenbruch
Wind- und Wettergeschützt und umgeben von historischen Armaturen lässt es sich aushalten


oha, schon wieder ein Schauer



regenstabile Klamotten sind Pflicht und bringen Farbe ins Spiel

Jetzt aber endlich mal Natur:



Aurlandsfjord

nochmal...



Möve



nochmal...



jetzt wird es eng im Nærøyfjord

...und dann wird es auch noch finster

Auf ein paar Metern (ist das das korrekte Maß für die Entfernung in der christlichen Seefahrt?) ändert sich die Stimmung durch anderes Licht und anderen Lichteinfall - faszinierend!









Gudvangen empfängt uns überraschenderweise mit Regen

Und, wie wir mittlerweile wissen, wird auch noch auf dem kleinsten Fleckchen Erde was angebaut. Anders als im Geirangerfjord sind hier die Bauernhöfe, oder soll man besser Almen sagen, noch bewirtschaftet. Und Straßen führen hin, auch wenn man die vom Schiff aus teilweise nur ahnen kann.

Die ca. 150 km lange Weiterfahrt nach Bergen gestaltet sich wettermäßig ähnlich abwechslungsreich wie die Schifffahrt, und sie ist zusätzlich abwechslungsreicher, weil sie an den diversen Fjorden entlang durch gefühlt 100 Tunnel führt.

Bergen wird seinem Ruf als regenreichste Stadt gerecht - zumindest abends. Abbruch der geplanten Standseilbahnfahrt mit der Fløibanen auf den Aussichtsberg Fløyen - wenn man ihn von unten nicht erkennen kann, dann wird es auch in umgekehrter Blickrichtung schwierig werden... Also nur Übernachtung im modernen Scandic Ørnen Hotel.





Mittwoch, 13.07.
Bergen. Hardangervidda. Flå.



Bergen. Steindalsfossen. Hardangerfjorden. Eidfjorden. Vøringsfossen. Hardangervidda. Flå.





Bergen wird seinem Ruf als regenreichste Stadt an diesem Morgen überraschenderweise nicht gerecht - wir sind aber kaum enttäuscht: umso besser für Stadtrundfahrt und Stadtrundgang. Alles fast ausgestorben, außer den, oder besser: uns Touristen. Natürlich: Juli ist der Haupt-Ferienmonat in Norwegen.

Die Haupt-Sehenswürdigkeit: Bryggen, das Hanseviertel (Tyskebryggen, der Deutsche Kai). Schon wieder ein UNESCO-Welterbe, diesmal Kultur. 






Wir hatten eine sehr sachkundige Führerin, die sich allerdings mangels zeitlicher Orientierung
 meiner Meinung nach in etwas zu ausführlichen Informationen und Kommentaren verlor. Ich habe nach einiger Zeit die Zeit für "Impressionen" genutzt, "Bilder" gibt es sowieso genug.



im hinteren Teil des Viertels gibt es auch Steinhäuser



Nach seiner Gründung im Jahr 1070 wurde die Stadt Bergen immer wichtiger und beliebter für den Handel mit Fisch aus dem Norden und Getreide aus dem Süden. Aus diesem Grund gründete die Hanse im Jahr 1343 eine Niederlassung für diesen Handel. Es entstand ein Geflecht aus vielen kleinen Höfen, welches sich in kürzester Zeit zum Wohn- und Handelsviertel entwickelte.





Da alle Gebäude (bis auf die hinterste Häuserzeile) aus Holz waren und die Abstände zum Nachbar sehr gering sind, durften sämtliche Gebäude nicht beheizt werden. 


Trotz solcher Einrichtungen hat es immer wieder heftig gebrannt, zuletzt 1955





Dann ein kurzer Abstecher zum Fischmarkt. Schon schön, aber tatsächlich eine Touristenhölle (was denn? ich mecker doch gar nicht, ich bin ja selber einer...). Teuer, teuer, vielleicht Lust auf ein paar Kirschen:





Aber auch hier natürlich Gelegenheiten zum zwanglosen Rumschauen.







Der dunkle Fisch ist gar kein Fisch, sondern das war ein Wal. Ich dachte, die dürfen nicht gejagt und verkauft werden? Norwegen geht hier einen Sonderweg...





Weiter geht es: in der Hardanger-Gegend wird das meiste Obst in Norwegen angebaut. Kurz davor ist ein Riesen-Skigebiet. Sind halt keine großen Höhenunterschiede.

Der Steinsdalsfossen ist einer der meistbesuchten Wasserfälle Norwegens. Er ist Teil des Flusses Fosselva und hat eine Höhe von ca. 50 m. Ein Weg führt hinter den Wasserfall, so dass man zwischen Felswand und Wasser durchlaufen kann.





nein, alles sicher...

na gut, dann entspann ich mich...


Weiter geht es durch viele Tunnel, unter Anderem durch einen gewissen Vallaviktunnel, der durch einen Kreisverkehr besticht. Das gibt es hier öfter...




Ich hab nicht selber fotografieren können (deshalb danke an den Original-Fotografen aus den Tiefen des Internet)

Gleich die nächste Sensation (und wieder nicht zu fotografieren): die Harddangerbrua, also die Brücke über den Hardangerfjord, genauer: den Eidfjord.

Die Brücke hat eine Gesamtlänge von 1380 m und eine lichte Höhe von 55 m. Wegen der großen Wassertiefe des Hardangerfjords (nahe der Brücke bis 500 m) müssen die 202,5 m hohen Pylonen an Land stehen, damit hat die Brücke eine Spannweite von 1.310 m und war bei Eröffnung die längste Brücke in Norwegen und weltweit auf Platz 10. Nach vier Jahren Bauzeit wurde die Brücke am 17. August 2013 planmäßig dem Verkehr übergeben.



Hardanger-Brücke
Auch hier danke an den tatsächlichen Fotografen - wir hatten keine Möglichkeit für solche Bilder...

Auf dem Weg zum nächsten Highlight, dem Wasserfall Vøringsfossen, erleben wir noch eine Besonderheit. Aus dem Måbødalen heraus geht es durch gefühlt 100 Tunnels nach oben, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: einer dieser Tunnel ist ein Kehrtunnel, es geht einen vollen 360°-Kreis immer nach links (glaube ich) und nach oben. So hat man platzsparend Höhe gewonnen, im Berg. Die können schon Tunnels bauen, die Norweger!

Jetzt aber zum Wasserfall: nach einigen für mich nicht ganz klaren Ansagen vor dem Aussteigen, wo es denn nun hinginge und dass der Weg wohl anspruchsvoll sei, habe ich zuerst den falschen Weg eingeschlagen, allerdings fand sich da dann ein Moor mit Wollgras, das wir schon öfters auf unserer Reise gesehen hatten. Das war die nassen Schuhe wert!




























Aber kein Wasserfall! Also wieder zurück und den "ausgetretenen Pfaden" gefolgt, zusammen mit anderen Leuten auf der Suche nach dem richtigen Weg. Unwegsam eigentlich, aber erfolgreich. 





Und erstaunlich: man kann bis an die Kante herantreten, ohne Schilder oder Geländer, und wenn man sich traut wirklich senkrecht geschätzte 160 m nach unten schauen.





sogar ein Regenbogen war uns vergönnt!

Das Interessante ist, dass der abgebildete Wasserfall gar nicht der Vøringsfossen ist. Der ist nämlich von diesem Standpunkt aus kaum zu sehen (da hätte man noch weiter nach oben laufen müssen), in den Fotos oben ist er an der rechten unteren Kante zu erahnen. Die Gischt und der Lärm kommen also nicht von dem (trotzdem schönen) "Rinnsal", das die Fotos beherrscht... A bissl mehr Zeit an dieser Stelle wäre gut gewesen, dann hätte ich noch einen besseren Standpunkt gefunden - aber die Zeit drängte offenbar und wir mussten weiter, auf die Hardangervidda.

Auffallend war auf dem Weg weiter nach oben, bis über 1200 m, wie zersiedelt diese Gegend ist, jeder zweite Norweger scheint hier seine eigene Hütte zu haben. Auffallend auch: alle diese Hütten sehen recht ähnlich aus, nirgendwo wird rumgeprotzt mit einer größeren Terrasse als der Nachbar sie hat...


Die Hardangervidda ist ein Plateaufjell (damit werden Hochflächen oberhalb der Nadelwaldgrenze bezeichnet) und die größte Hochebene Europas (über 8000 km²); fast die Hälfte ist als Nationalpark ausgewiesen.


Wir hatten (wieder mal) Glück: nach rechts schönstes Wetter, nach links unglaubliche Wolkenformationen... und mittendrin der furchtlose Fotograf:







Woher dieser unglaubliche Mut kam, sehen wir später. Jetzt endlich die Natur:



das schöne Wetter rechts...

die Kargheit der Landschaft...

und immer wieder menschliche Spuren...

Jetzt wieder ein paar GROSSE Bilder:














Ich bin noch die Erklärung schuldig, woher der Mut kommt, unter diesen Bedingungen selbstlos Fotos zu machen: wie bekannt kann man diesen Gemütszustand durch ausreichende Gaben von Alkohol recht einfach herbeiführen. Dank der umsichtigen Planung der Viols kein Problem!





da kann man schon mal kurz das Fotografieren unterbrechen!

Und bei dieser Gelegenheit entstand auch das Gruppenfoto (danke an Axel Raum!):







Schließlich - und wieder an vielen vielen Hütten vorbei - runter in bewohntere Gegenden mit dem Übernachstungsziel Thon Hotel Bjørneparken in Flå. Bjørneparken = Bärenpark, eine der Sehenswürdigkeiten in diesem Ort.



Donnerstag, 14.07.
Nach Oslo.



Nach relativ kurzer Fahrt ist unsere erste Station in Oslo der Holmenkollen mit dem Holmenkollenbakken. Das ist die älteste Skisprungschanze der Welt (1892); das spektakuläre Aussehen mit dem 60 m hohen freitragenden Turm wurde für die Nordische Ski-WM 2011 gestaltet. Ansonsten macht die große Anlage, auch Biathlonwettbewerbe werden hier ausgetragen, einen sommerlichen Eindruck: viel Beton, kein Schnee (klar, aber irgendwie fehlt halt was...).






Jetzt aber: der Vigelands-Park, "die" Touristenattraktion in Oslo bzw. in ganz Norwegen, über eine Million Leute im Jahr! Der Park heißt eigentlich Frogner-Park und besticht neben der spektakulären Figurensammlung Vigelands auch mit der größten Rosensammlung Norwegens mit über 150 Sorten.

Ein fleißiger Künstler war der Gustav Vigeland (1869-1943) auf jeden Fall, die naturalistischen Darstellungen sind häufig sehr lebensnah, andere eher verwirrend - wie immer persönliche Geschmackssache. Das Hauptmotiv des Parks ist der Lebenszyklus des Menschen. Der Magistrat von Oslo erhielt die Rechte an den Skulpturen des Künstlers und kam im Gegenzug für seinen Lebensunterhalt auf.


Der Monolith wird  aus 121 Figuren in einem einzigen Granitblock gebildet. Er zeigt die Entwicklung vom Embryo über das Kleinkind und weiter alle Lebensstadien, die ein Mensch durchlebt.




auf dem Weg zum Monolith

Erinnerungen an die Hardangervidda-Wolken werden wach...



Insgesamt sind im Park 212 Plastiken zu sehen, davon 58 aus Bronze, die anderen aus Granit oder Schmiedeeisen. In unserer Gruppe waren die Reaktionen auf die vielen Nackerten eher neutral, anders als bei der von Herrn Viol d.Ä. beschriebenen Damengruppe...


ohne Möven geht's nicht - in Ruhe lassen sie sich auch leichter erwischen

auch unspektakuläre Details können gefallen

















die Brunnenanlage

mit den Wolkenstimmungen hab ich's irgendwie...




Bei vielen der Bronzefiguren meint man, die Personen würden sich jetzt gleich bewegen...










"Sinnataggen", der kleine Trotzkopf. Ein zornig aufstampfendes Kind - eine der berühmtesten Skulpturen von Gustav Vigeland


Eineinhalb Millionen handgemachte Ziegel bilden seit 1950 ein Rathaus, in dessen Saal auch der Friedensnobelpreis verliehen wird (die anderen Nobelpreise gibt’s in Schweden). Übrigens: die Medaille des Friedensnobelpreises wurde von einem gewissen Herrn Vigeland entworfen.


ein Schwan begutachtet die astronomische Uhr

der große Rathaussaal macht müde (sind ja auch über 1500 m²)

Detail 1

Detail 2

die ganze Pracht des Rathaussaals (Richtung Eingang gesehen)

und so schaut's aus bei der Nobelpreisverleihung (Foto eines Fotos)
Detail 3

Detail 4






























Jetzt weiter zur Color Fantasy. Längliche Ansteherei, bis wir aufs Schiff dürfen. Dort verwirrend viele Aufzüge und Gänge und 15 Stockwerke und lange Wege überall hin, so ein großes Schiff! Rund 75.000 Bruttoregistertonnen machen es zu einem der größten dieser Art. Vier Dieselmotoren mit insgesamt 42.420 PS erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von über 40 km/h. Es gibt fast 1000 Kabinen für fast 3000 Passagiere.



das Nobelrestaurant Oceanic - wirklich großzügige Platzverhältnisse


Übrigens muss ich mein anfängliches Gemecker über die nicht ganz so grüne Stena Germanica (bei der Hinfahrt) zurücknehmen, wenn ich sehe, was hier aus den dicken Auspuff-Schloten kommt. Immerhin ist der Qualm entschwefelt.





Und jetzt kommt das schöne Wetter! An windgeschützten Stellen ist es richtig warm. 






Das Bild kennen wir doch schon? Nein, diesmal ist es Oslo, nicht Kiel.































Freitag, 15.07.
Abschied.

Oh mei, schon wieder alles vorbei. Eine unspektakuläre Heimreise und das Versprechen, einige unserer Eindrücke in einem Blog allen zur Verfügung zu stellen.

Hat geklappt! Der Blog ist da. Und auch schon wieder zu Ende...




Viele Grüße von Bernhard 

















und Edeltraud Höllerer


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